Schieflage

 


Der 56 m hohe Turm der Oberkirche hat derzeit eine Abweichung vom Lot  von 4,60 m (Juni 2013). Er ist damit schiefer als der bekannte Turm von Pisa und bestandsgefährdet.

frühere Messungen:

1920

ca. 2,21 m

 

um 1960

ca. 3,60 m

 

2001

ca. 3,89 m

 

2004

ca. 4,07 m

 

Oktober 2005

4,22 m

 

Februar 2007

4,30 m

 

Oktober 2007

4,41 m

 

März 2010

4,445 m

 

September 2012

4,49 m

 

Juni 2013

4,60 m

Nicht nur ein Vergleich der Neigungsparameter des Glockenturms in  Pisa (4,07 m außer Lot) und des Frankenhäuser Oberkirchturms ist  interessant. Wissenswert sind auch die sich ähnelnden Ursachen für die Schiefstellung:
Wurde der Bau des Campanile im 12. Jahrhundert auf noch jungem Schwemmsandboden begonnen, so errichtete man im 14. Jahrhundert am Südrand des Kyffhäsergebirges, einer Gips-Karst-Zone, den  Oberkirchturm auf einem besonders stark verkarsteten Bereich. Beide  Türme sind sehr bald unfreiwillig ’’schiefe Türme’’ geworden.
Als man das 100 Jahre nach der Grundsteinlegung in Pisa feststellte, baute man die  späteren Stockwerke gegenläufig weiter, um das Gleichgewicht wieder herzustellen.
In Bad Frankenhausen übten die Baumeister der beiden barocken Doppellaternen eine ähnliche Praxis: als im Jahr 1759 die  hölzerne Turmspitze bei einem Stadtbrand restlos abbrannte, wirkte man  bei deren Neubau einer seit etwa 1640 bekannt gewordenen Schieflage  ebenfalls entgegen.

Spätestens mit dem 20. Jahrhundert begann in Frankenhausen ein Wettlauf mit der Statik.
Als erste Hilfsmaßnahme wurden 1911 zwei Stützpfeiler im Osten und im  Norden an den Turm gemauert, die aber eine gegenteilige Wirkung  erzielten, weshalb sie bereits abgerissen wurden.
Die Gutachten der zwanziger Jahre sahen nicht sehr optimistisch aus.
Eine Ausschreibung im Jahre 1925 zum Abriss des Turmes ergab, dass diese so teuer würden wie die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen. So entschloss man sich in den Jahren 1935/36 zu ersten Sicherungsmaßnahmen, die den  Turm bis in unsere Zeit brachten. Trotz allem war eine weitere Neigung nicht zu verhindern.

Mit den heutigen Erkenntnissen ist der Turm langfristig nur durch  eine geeignete Stützkonstruktion zu retten, die Anteile der Bauwerkslast auf die  nahen Bereiche mit felsigen Untergrund überträgt. Eine zusätzliche Vergütung des verkarsteten Untergrundes kann die Effektivität dieser Maßnahme erhöhen.




Soll und Ist des Oberkirchturms um 1914;  links: Ansicht von Nord, rechts: Ansicht von West Vergleich: Soll und Ist
des Oberkirchturms um 1914;
links: Ansicht von Norden,
rechts: Ansicht von Westen

 
 

Die Oberkirche vom Hotel Residenz
Die Oberkirche vom Hotel Residenz
(Foto: Heiko Kolbe)

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